Rhein-Sieg-Film
Fotos aus Mondorf am Rhein
 

Tipps für die Wildlife-Fotografie

Meine Erfahrungen seit 2009... Ohne Gewähr!


- Mach Dich mit Deiner Kamera vertraut.

Vor Ort muss die Bedienung funktionieren. Stell Dir vor, DAS Motiv ist vor Dir, und Du versaust es, weil die Kamera nicht das macht, was Du möchtest. Ist mir übrigens letztens noch bei einer neu gekauften Reisekamera passiert.



- Welche Klamotten ziehe ich an?

Für die tieferen Temperaturen habe ich seit Jahren eine Jack Wolfskin-Thermohose. Die trägt nicht dick auf, hält aber ziemlich gut warm. Als Handschuhe nutze ich Fotografenhandschuhe von Matin. Die kann man umklappen, wenn man auslösen möchte. Sehr praktisch.

Davon abgesehen bin ich ein großer Fan von der Firma Decathlon. In der dortigen Jagd-Abteilung wird man auf jeden Fall (preiswert!) fündig.





- geh nie ohne voll geladene Akkus, und leeren Speicherkarten raus.

Ist mir auch schon passiert. Nur ein nicht gecheckter Akku in der Kamera, kein weiterer dabei, und nach kurzer Zeit konnte ich ohne Bilder und mit leerem Akku wieder nach Hause. Unnötig.





- Nimm etwas zu trinken mit!

Wenn man stundenlang draußen ist, dehydriert man schnell. Auch im Winter! Folge: Man muss den Rückweg antreten. Unnötig.




- Pack Deine Kamera aus, sobald Du das Auto/Fahrrad verlassen hast (und hab sie korrekt eingestellt!), und pack sie erst wieder ein, wenn Du am Auto/Fahrrad bist.

Oft kommen Fotogelegenheiten, wenn Du sie nicht erwartest.

Die Schildkröte rechts ist ein typischer Fall bei mir gewesen.






- Nutze gutes Fotolicht

kurz nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang ist das Licht meist softer als mittags. Dann sind Tiere auch oft am aktivsten. Win-win. Auch, wenn das sehr frühe Aufstehen mühsam sein kann.




- Runter mit Dir!

Die schönsten Aufnahmen entstehen nicht, wenn man von oben auf ein Tier fotografiert. Geh auf den Boden, in den Matsch, ins Wasser. Hauptsache, Du kommst so weit wie möglich auf Augenhöhe mit den Tieren. Du wirst schnell einen Unterschied merken!

Für das Nutria rechts im Bild stand ich in einer Wathose im Wasser, mit der Kamera direkt über der Wasseroberfläche.





- Nutze vorhandene Custom-Einstellungen

Viele Kameras bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Einstellungen von Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert auf sogenannte Custom-Programmschalter, bzw. Räder zu legen. Ich nutze z.B.:

Modus C1 für relativ stillstehende Objekte.

Einzelfokus (einmal scharfgestellt bleibt der Fokus auf dem Objekt), 1/250s, Blende soweit auf wie gewünscht (meist offen), ISO-Automatik (mit Maxbegrenzung auf ISO-3200, oder ISO-6400)

Modus C2 für sich bewegende Objekte.

kontinuierlicher Autofokus (der Fokus bleibt auf dem einmal anvisierten Objekt "kleben", und folgt ihm bis zum Auslösen), 1/1000s, Blende so weit auf wie gewünscht (meist offen), ISO-Automatik (mit Maxbegrenzung auf ISO3200, oder ISO6400)

Der Vorteil: Ich kann ruckzuck auf sich ändernde Situationen reagieren









- Leichte Bewölkung ist besser als pralle Sonne.

Klingt vielleicht erstmal nicht plausibel. "Bei Sonnenschein ist es doch am Schönsten". Jein. Leichte Bewölkung hat den gleichen Effekt wie eine Softbox. Sie macht das Licht weich. Hartes Licht sorgt schnell dafür, dass Bereiche vom Tier entweder "ausfressen" (zu hell sind, „überstrahlen"), oder "absaufen" (so dunkel sind, dass man nur noch schwarz hat). Bei leichter Bewölkung passiert das normalerweise nicht. Eine Ausnahme von dieser „Regel“ sind vielleicht Gegenlichtaufnahmen. Da ist eine tiefstehende Sonne klasse.





- Gutes Objektiv ist wichtiger als eine gute Kamera

Investiere lieber ein paar Euro mehr in ein Objektiv, als in eine Kamera. Eine günstige Kamera mit einem guten Objektiv hilft Dir mehr, als eine gute Kamera mit einem schlechten Objektiv

Für Tieraufnahmen gehe ich quasi immer mit meiner Canon EOS 80D und dem Sigma 150-600mm los. Als Backup (bzw. bei wenig Licht) habe ich noch das Canon 70-200mm parat. Mit den 600mm des Sigma kommt man sehr gut an weit entfernte, oder kleine Tiere "ran". Leider ist es mit der Blende F/6.3 nicht sehr lichtstark. Also: ISO hoch, und Bilder entrauschen. Siehe Entrauscherprogramm.

Das Canon 70-200 ist mit F/2.8 über den gesamten Brennweitenbereich dagegen sehr lichtstark. Leider fehlt es da natürlich an "Länge". Für ein Canon 600mm F/4 reicht mein Budget leider nicht (ca. 17000 €)

Tipp: Die Firma Calumet hat immer wieder gute gebrauchte Objektive oder Kameras. Und man kann oft neue Ausrüstung mit 0% finanzieren.









- Wie die Ausrüstung sichern?

Wenn man einiges an Geld in Kameraequipment gesteckt hat, kann man „draußen“ schon mal nervös werden. Was mache ich, wenn mir die Cam in den Bach fällt? Wenn sie mir aus der Hand rutscht?

Dafür habe ich mich schon ganz zu Anfang mit der Fotoassekuranz der Versicherung Pergande & Pöthe abgesichert. Da ist man gegen so ziemlich alles versichert, was einem passieren kann. Selbst Raub, Diebstahl und eigene Dummheit. Und man bekommt den Neuwert der Kamera ersetzt! Schaut es euch an. Natürlich alles ohne Gewähr!





- Im Winter:

Eiskalte Kameras und Objektive bilden im Inneren schnell Kondenswasser, wenn man sie in der warmen Wohnung aus der Kameratasche holt. Besser: Draußen (!) Akku und Speicherkarte rausnehmen, Kamera mit weiterhin angeschlossenem Objektiv wieder in Kameratasche, und in Wohnung akklimatisieren lassen. In der Zwischenzeit können die Akkus laden, und die Bilder können über einen Kartenleser auf den PC geladen werden





- Tarnung:

Das ist ein Kapitel, mit dem man wohl Bände füllen könnte. Kurz zu meiner Ausrüstung: Ich nutze sehr gerne einen leichten 3D-Tarnanzug mit "flatternden" Handschuhen und Kopfhaube. Den Anzug mit Haube bekommt man schon für ca. 20€ bei Wish. Die Handschuhe für <5€. Vorteil: Auch im Sommer ist es nicht zu warm da drin.
Wenn es mal das "volle Programm" sein soll, ziehe ich einen sogenannten Ghilliesuit an. Auch als Scharfschützenanzug bekannt. Mit diesem Fadenanzug (ca. 40-50€) verschmilzt man regelrecht mit der Natur. Nachteil: Im Sommer sehr warm! Man ist von einem Busch kaum zu unterscheiden. Und darum geht es ja. Die Silhouette des Menschen soll verschleiert werden, damit Tiere einen nicht als solchen erkennen. Und wenn man dann noch ein wenig die Windrichtung beachtet (Tiere haben oft einen guten Riechsinn), kann kaum was schiefgehen. Es sei denn, man hampelt zu viel rum. Siehe "Keine Bewegung kommt vor Tarnung"
Vor kurzem habe ich mir ein sehr günstiges einfaches Zelt in Tarnfarben gekauft. Ein paar Löcher rein, in die Natur stellen, und Tiere dran gewöhnen lassen. Das ist das Ziel. Man kann natürlich auch mehrere Hundert Euro für ein professionelles Tarnzelt ausgeben. Aber zum Ausprobieren sollte es reichen.

Aber:

- Keine Bewegung kommt vor Tarnung

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass abgesehen von Zufallsbegegnungen keine vernünftigen Fotos von Tieren möglich sind, wenn man ständig umherstreift. Sie verschwinden bloß im Unterholz oder fliegen weg. Hat man sich dagegen einige Zeit ruhig verhalten, und auf den Boden gelegt, sind bessere Bilder möglich. Da ist es oft (aber nicht immer) egal, ob man gut getarnt ist, oder nicht. Dass eher gedeckte Kleidungsfarben wie braun oder schwarz besser sind als grelle, dürfte klar sein.

- Windrichtung

Einige Tierarten jönnen sehr schlecht sehen, aber sehr gut riechen.
Ein Fuchs oder Dachs wird Dich bei ungünstiger Windrichtung schon riechen, bevor Du ihn gesehen hast. Wenn Du also eine Ahnung hast, wo sie sein könnten (oder sogar einen Bau entdeckt hast), positionier Dich so, dass der Wind nicht in seine Richtung weht.







- Mach Dich mit den Locations der Tierwelt vertraut.

Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass Eisvögel sich gerne auf längeren Ästen über dem Wasser niederlassen, um Fische zu jagen. Dass in bestimmten Gebieten Füchse heimisch sind. Dass es zu bestimmten Uhrzeiten fast automatisch zu Rehsichtungen in einem Lohmarer Gebiet kommt. Das alles dauert natürlich. Aber auch so wirst Du jede Menge Tiere entdecken, wenn Du die Augen aufhältst, und die Basics befolgst (siehe "Keine Bewegung kommt vor Tarnung")





- Fotografiere in RAW statt jpg.

Ja, direktes Aufnehmen im jpg-Format verführt natürlich. Die Kamera nimmt einem die Bearbeitung ab (man braucht kein Photoshop, Lightroom o.ä.), die Dateien sind kleiner, man kann schneller auslösen (Aufnahmen in RAW gehen langsamer). Aber: Nachträgliche Anpassungen des Bildes (Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich....) sind nur noch bedingt möglich. Und mal ehrlich: Warum sollte ich mir eine teure Ausrüstung kaufen, um nicht bestmöglichen Ergebnisse zu erreichen? Ich habe quasi von Anfang an nur RAW-Bilder aufgenommen. Und es nie bereut.





- Nutze Photoshop/Lightroom oder Gimp

siehe „Fotografiere in RAW statt jpg“



- Nutze ein Entrauscherprogramm

Tierfotografie ist oft nur durch hohe ISO-Werte möglich. Sei es durch das schwache Licht am Morgen / Abend, oder durch die kurzen Belichtungszeiten, um Bewegungen einzufrieren. Dadurch "rauschen" Bilder schnell, und werden (meiner Meinung nach) unansehnlich. Bis vor einiger zeit habe ich mich nur bis ISO-1600 herangetraut. Ein kostenloses Entrauscherprogramm brachte nur mäßige Ergebnisse. Selbst mit Photoshop bekam ich sie nicht so schön hin. Dann entdeckte ich DXO PureRAW3. In den Bewertungen war von einem "Gamechanger" die Rede. Klar. Wird schnell mal behauptet. Dann probierte ich die kostenlose Demoversion aus. Und kaufte sofort die 129€ "teure" Vollversion. Was dieses Programm leistet, ist einfach unglaublich. Probiert es aus. ISO-6400 ist jetzt oft mein Limit.







- Nutze YouTube zum Lernen und Inspirieren.

Ich habe vor einiger Zeit den Kanal des professionellen Tierfotografen Morten Hilmer für mich entdeckt. Diese Begeisterung für seinen Beruf und die Natur ist einfach klasse. Kennst Du andere gute Kanäle? Lass es mich wissen!
2009 habe ich mir sehr viel bei FotoTV gelernt. Leider ist das Angebot nicht mehr kostenlos.




- Welches Tier habe ich hier?

Es kommt immer wieder vor, dass ich einen neuen Vogel auf dem Display habe, den ich nicht kenne. Dann nutze ich gerne das kostenlose Programm "Obsidentify", das es für Android und Apple in den jeweiligen Shops gibt.
Das schöne: Durch schnelles Abfotografieren vor Ort kann ich schon oft sagen, mit was ich es zu tun habe.

Ganz neu habe ich mir folgendes Buch zugelegt: Tierspuren aus dem Kosmos-Verlag. Darin lässt sich schnell und zuverlässig anhand von Spuren sagen, welches Tier hier in letzter Zeit gewesen ist.





- Nutze die fotografischen Regeln

In der Fotografie gibt es einige Regeln, die, wenn befolgt, häufig (aber nicht immer) zu "schöneren", bzw. harmonischeren Bildern führen.
Dazu gehört zum Beispiel die Drittel-Regel. Aber auch andere in der Fotografenwelt bekannte Gestaltungen können Dir helfen.




- Lass Dich nicht entmutigen !

Die besten Wildlifefotografen kommen auch immer wieder ohne ein brauchbares Bild nach Hause. Aber irgendwann ist der WOW-Moment da.

Und das ist dann umwerfend.

Und jetzt raus in die Natur!




So, das war es erst einmal.
Falls Dir etwas aufgefallen ist, womit Du bessere Erfahrung gemacht hast, dann lass es mich sehr gerne wissen.

mailto:rhein-sieg-film@sebastian-wessel.com

Alle Tipps sind ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Stand: Februar 2024










Sebastian Wessel


www.Rhein-Sieg-Film.de

Mondorf am Rhein